Insektenstaaten


Insektenstaaten
Insektenstaaten, geschlossene anonyme Verbände von Termiten, Hautflüglern (Bienen, Faltenwespen), Ameisen, die jeweils aus den Nachkommen eines oder mehrerer f bestehen und die auf Polymorphismus mit Arbeitsteilung und auf Kommunikation beruhen. Staatenbildende Insekten werden als eusozial bezeichnet. I. haben sich bei den verschiedenen Gruppen evolutiv unabhängig voneinander aus solitären Formen entwickelt, indem es ausgehend von der Brutpflege der Mutter zur Zusammenarbeit der Geschwister bei der Aufzucht der Larven und schließlich zur Sterilität der meisten Mitglieder kam. Bei den Hautflüglern sind heute noch alle drei Etappen existent. In einem I. gibt es verschiedene Individualtypen (Polymorphismus), womit Arbeitsteilung und Kastenbildung verbunden ist. Geschlechtstiere gründen den Staat und sorgen für die Eiproduktion, Arbeiter sind für Nahrungserwerb, Brutpflege und Verteidigung zuständig. Bei Hautflüglern gehen aus befruchteten Eiern sterile Arbeiter hervor, die durch spezielle Larvenernährung zu f Arbeitern oder Königinnen determiniert werden. Sie sind also diploid, während die m aus unbefruchteten Eiern hervorgehen, also haploid sind und genetisch identische Gameten erzeugen. Deshalb sind die Schwestern untereinander stärker verwandt; sie haben im Durchschnitt 0,75% der Gene ge-
meinsam, während sie zu ihren Brüdern nur einen Verwandtschaftsgrad von r = 0,5 haben. Die Tatsache, dass es bei den Hautflüglern nur f Arbeiter gibt, lässt sich also durch eine verwandtschaftliche Selektion erklären. Bei den Termiten gibt es sterile Arbeiter beiderlei Geschlechts. Bei ihnen sind sowohl f als auch m diploid, sodass sie auch untereinander gleich verwandt sind (r = 0,5). Bei den Holztermiten (Kalotermitidae) erfüllen sog. Pseudergaten – Larven, deren Entwicklung von den Geschlechtstieren durch Pheromone auf einem ungeschlechtlichen Stadium gehalten wird – Arbeiteraufgaben. Die verschiedenen Aufgaben der Arbeiter werden entweder durch altersabhängige Arbeitsteilung oder durch strukturell unterschiedliche Individuengruppen ausgeführt. Bei den Bienen haben die Arbeiterinnen in verschiedenen Lebensabschnitten unterschiedliche Funktionen: Brutpflege, Bauarbeiten, Verteidigung, Nahrungsbeschaffung. Bei vielen Ameisen führen dagegen Gruppen unterschiedlich großer Tiere die verschiedenen Aufgaben durch.
    Die Leistungen der I. können nur durch ausgeprägte Kommunikation erbracht werden. Diese ist bei der Honigbiene (Apis mellifica) besonders hoch entwickelt und gut erforscht. Bienentänze geben Auskunft über die Position einer Futterquelle oder einer Bruthöhle für den Schwarm. Bei den eusozialen In-
sekten ist auch die Kommunikation über Pheromone verbreitet.
    Arbeitsteilung und Kommunikation erlauben teilweise komplizierte Verhaltensweisen, z.B. bei der Ernährung. So halten bestimmte Ameisen Blattläuse als Haustiere, Blattschneiderameisen (Atta) kultivieren einen Pilz, die Honigbiene betreibt Vorratswirtschaft, bei der Wüstenameise Myrmecocystus dienen einige stark gefütterte Tiere als »Honigtöpfe«. Der Erfolg der eusozialen Insekten zeigt sich in großem Arten- und Individuenreichtum. Mehr als ein Drittel der gesamten tierischen Biomasse der Tropen besteht aus Ameisen und Termiten. Den I. ähnelnde Sozialstrukturen kommen als Säugerstaaten bei Nagetieren vor.

Deutsch wörterbuch der biologie. 2013.

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