Blutgerinnung
Blutgerinnung, im Falle größerer Verletzungen der Blutstillung dienender chemisch-physiologischer Prozeß bei Gliederfüßern und Wirbeltieren. Dabei verschließt unter Mitwirkung der Blutgerinnungsfaktoren und aufgrund einer Umwandlung des löslichen Fibrinogens in das unlösliche Fibrin ein Blutgerinnsel die Gefäße.
    Am besten untersucht ist die B. beim Menschen; man unterscheidet vier Phasen. Vorphase: Als Folge eines komplexen Reaktionssystems entsteht der proteolytische Stoffkomplex Thrombokinase. Phase I: Durch Thrombokinase wird das in der Leber gebildete und im Blut vorhandene Prothrombin in Thrombin überführt. Phase II: Thrombin zerlegt das Glykoprotein Fibrinogen in saure Peptide, Kohlenhydrate und Fibrinmonomere. Diese polymerisieren reversibel zu Fibrin, das anschließend unter Einwirkung von Faktor XIII irreversibel vernetzt wird. Phase III: Bei der Refraktion wird das zunächst lockere Netz aus Fibrinfäden durch das aus zerfallenden Thrombocyten frei werdende Thrombosthenin zu einem festen Thrombus zusammengezogen.
    Der B.prozeß wird nach einer Gefäßverletzung auf zweierlei Weise ausgelöst. Das intravaskuläre System wird aktiviert, wenn das Blut in Kontakt mit einer rauhen Oberfläche kommt. Der kontaktlabile
Faktor XII ändert seine Konformation, wodurch ein kaskadenartiger Aktivierungsprozess einsetzt und es schließlich unter Beteiligung der Faktoren VIII, IX, XI zur Aktivierung von Faktor X kommt. Das extravaskuläre System wird durch die Gewebsverletzung aktiviert, indem der Faktor III, ein Lipoprotein, aus den Zellen frei gesetzt wird. Er aktiviert den Faktor VII, dieser den Faktor X. Das Blut in den Gefäßen ist normalerweise flüssig; das Antithrombin Heparin verhindert die Gerinnung. Im gesunden Körper besteht zwischen Fibrinbildung und Fibrinolyse ein Gleichgewicht, dessen Störungen Krankheitserscheinungen verursachen. Die rezessiv geschlechtsgekoppelt vererbte Bluterkrankheit beruht auf einem Mangel an Faktor VIII oder, seltener, an Faktor IX. Bei übermäßiger Thrombinbildung können Thrombosen auch in unverletzten Gefäßen entstehen.

Deutsch wörterbuch der biologie. 2013.

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  • Blutgerinnung — Die Hämostase (von griechisch αἷμα Häma „Blut“ und στάσις Stasis „Stauung, Stockung, Stillstand“; auch: Blutstillung, Stypsis) ist ein lebenswichtiger Prozess, der die bei Verletzungen der Blutgefäße entstehenden Blutungen zum Stehen bringt.… …   Deutsch Wikipedia

  • Blutgerinnung — Blut|ge|rin|nung 〈f. 20; unz.; Med.〉 Erstarren des Blutes innerhalb eines Blutgefäßes * * * Blut|ge|rin|nung ↑ Fibrin. * * * Blut|ge|rin|nung, die (Med.): Erstarrung des Blutes innerhalb eines Blutgefäßes. * * * Blutgerinnung,   Erstarrung des… …   Universal-Lexikon

  • Blutgerinnung — Blu̱tgerinnung: physiologische Erstarrung des Blutes nach Austritt aus einem Blutgefäß (krankhaft auch innerhalb eines Blutgefäßes möglich; vgl. hierzu Thrombose) durch Umwandlung des löslichen Fibrinogens in das unlösliche Fibrin …   Das Wörterbuch medizinischer Fachausdrücke

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  • Blutgerinnungssystem — Die Hämostase (von griechisch αἷμα Häma „Blut“ und στάσις Stasis „Stauung, Stockung, Stillstand“; auch: Blutstillung, Stypsis) ist ein lebenswichtiger Prozess, der die bei Verletzungen der Blutgefäße entstehenden Blutungen zum Stehen bringt.… …   Deutsch Wikipedia

  • Blutstase — Die Hämostase (von griechisch αἷμα Häma „Blut“ und στάσις Stasis „Stauung, Stockung, Stillstand“; auch: Blutstillung, Stypsis) ist ein lebenswichtiger Prozess, der die bei Verletzungen der Blutgefäße entstehenden Blutungen zum Stehen bringt.… …   Deutsch Wikipedia

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