Cyanobacteria
Cyanobacteria, Cyanobakterien, »Blaualgen«, ca. 2000 überwiegend photoautotrophe Arten umfassende Abteilung der Bakterien; werden zusammen mit den Prochlorophyta auch als prokaryotische Algen bezeichnet.
    Die C.-Zelle entspricht weitgehend der Zelle der Eubakterien, ist jedoch 5–10 mal größer und trägt keine Geißeln. Die mehrschichtige Zellwand besteht aus Murein und wird häufig außen von Gallertscheiden umhüllt, auf denen sich manche Arten kriechend fortbewegen können. Das Kernäquivalent – durch das farblose Centroplasma, in das als Chromatinapparat DNA-Elemente eingelagert sind, repräsentiert – wird ohne scharfe Abgrenzung vom peripheren gefärbten Chromatoplasma umgeben. Dieses enthält Ribosomen, an Thylakoiden Chlorophyll a, außerdem akzessorische Pigmente (Carotinoide u.a.) und in den Thylakoiden aufsitzenden Granula (Phycobilisomen) die Phycobiline: das bei allen Arten vorhandene und häufig die anderen Farbstoffe überdeckende Phycocyan und das vielen fehlende Phycoerythrin. Als Reservestoffe finden sich glykogenartige Cyanophyceenstärke, stickstoffspeichernde Cyanophycinkörnchen und in Volutinkörnern aus Nucleoproteinen bestehende, wohl auch als ATP-Speicher dienende Phosphate. Es kommen einzellige, wenig- bis vielzellige Coenobien,
verzweigte und unverzweigte Fäden vor. Häufig sind die Einzelzellen locker durch eine gemeinsam ausgeschiedene Gallerte verbunden. Die photoautotrophen C. setzen molekularen Sauerstoff frei; ihre Photosynthese entspricht der von eukaryotischen Pflanzen. Manche C. können in besonderen Zellen, den Heterocysten, freien Luftstickstoff binden. Fortpflanzung und Vermehrung sind ungeschlechtlich. Bei der Teilung wird die Zelle durch die neue Zellwand quer durchgeschnürt. Die fadenförmigen C. vermehren sich durch Fragmentierung oder durch Bildung von Hormogonien, wenigzelligen Fadenabschnitten, die sich abtrennen. Einige einzellige Formen bilden Endosporen, die aus der Mutterzelle austreten, bei manchen Arten findet man auch Exosporen. Einzelne Dauerzellen (Akineten) oder auch ganze Fadenabschnitte können sich unter Reservestoffspeicherung mit einer dicken Wand umgeben und so als Dauerform ungünstige Lebensbedingungen überstehen. Geschlechtliche Fortpflanzung ist nicht bekannt; möglicherweise gibt es parasexuelle Vorgänge. C. sind in der Mehrzahl Süßwasserbewohner, kommen aber auch an extremen Stellen vor (z.B. Gletscher, Pioniere auf Felsen, Thermalquellen), an Baumrinden, im Boden. Einige Arten fungieren als Flechten-Algen, andere als Plastiden in Flagellaten. Manche C. können bei einem Massenauftreten in Gewässern (»Wasserblüte«) aufgrund ihrer
Toxine ein Fischsterben auslösen.
    Die systematische Gliederung ist uneinheitlich und weitgehend künstlich. Chroococcus und Gloeocapsa bilden Coenobien und kommen an feuchten Felsen und Mauern als gallertige Überzüge vor. Fädig sind z.B. Nostoc (bildet Gallertlager im Wasser) und die »Wasserblüten« bildende Spirulina.

Deutsch wörterbuch der biologie. 2013.

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